Als krönender Abschluss meiner Zeit in Kalifornien stand im September 2015 ein kurzer Städtetrip nach Los Angeles an. Die Stadt der Engel hatte schon immer eine Faszination auf mich gehabt und seitdem ich mich erinnern kann, war es einer meiner größten Träume, L.A. einmal selbst zu sehen. Auch wenn die Stadt schon seit Längerem in der Kritik steht, die Meinungen sehr zwiegespalten sind und mir viele Menschen vorher gesagt haben, dass Los Angeles eben nicht die glamouröse Metropole ist, die sich die meisten vorstellen, bin ich mehr als froh, dass ich die Gelegenheit hatte, meinen Traum zu verwirklichen. In den 48 Stunden konnte ich erstaunlich viel über die Stadt lernen und verstand schnell, warum Amerikaner die Stadt auch gerne als „Los(t) Angeles – The City of Fallen Angeles“ bezeichnen. Vielleicht weil der Begriff die vorherrschenden  Gegensätze auf so gute Weise beschreibt.


Downtown Los Angeles

Am 19. September fuhr ich mit dem AMTRAK von San Diego nach Los Angeles. Und obwohl ein tränenreicher Abschied von San Diego gerade erst hinter mir lag, begann die Vorfreude ziemlich schnell zu steigen. Ich konnte es nicht so recht realisieren, dass ich meine Heimat auf Zeit jetzt hinter mir gelassen hatte und nun etwas wahr wurde, von dem ich immer geträumt hatte. Nach drei Stunden Fahrt stieg ich dann an der Union Station aus dem Pacific Surfliner und strahlte bis über beide Ohren. Ich war endlich angekommen in der legendären Stadt.

Nach einer zehnminütigen Taxifahrt kam ich an meinem Hotel an. Das Kawada Hotel ist verhältnismäßig günstig und die Mitarbeiter waren sehr freundlich. Die Fassade erscheint auch sehr schön, wobei die Zimmer optisch allerdings nicht mithalten können. Wer sich im Hotel jedoch nur zum Schlafen aufhalten will, dem kann ich das Hotel empfehlen. Es liegt zentral in Downtown in  unmittelbarer Nähe der Walt Disney Concert Hall sowie der Los Angeles Times. Allerdings sollte man beachten, dass die allermeisten Sehenswürdigkeiten viel weiter westlich, in Hollywood, Beverly Hills oder Universal City liegen. Da Los Angeles eine unglaublich große Stadt ist, ist man auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen. Auch wenn dieser in L.A. einer der schlechtesten der USA ist, hatte ich das Glück, eine Metro Station keine fünf Minuten entfernt zu haben.

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Noch am Tag meiner Ankunft machte ich mich aus lauter Neugierde auf zur Walt Disney Concert Hall, vor der sich einige Touristen versammelt hatten, Fotos machten und gleichzeitig das Fotoshooting eines Hochzeitspaares beobachteten. Ich hatte eigentlich vor, die Umgebung noch etwas zu erkunden, aber schon nach einigen Minuten Fußmarsch wurde mir die Gegend zu unangenehm und ich ging doch lieber wieder zurück ins Hotel. Schließlich würde die eigentliche Entdeckungsreise erst am nächsten Tag beginnen.

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Giffith Observatory & Hollywood Sign

Früh morgens stand ich auf, da ich mich mit zwei anderen deutschen Mädchen verabredet hatte. Ich hatte sie in San Diego kennengelernt und zufällig waren die beiden am selben Tag in Los Angeles. Lena und Nadine traf ich dann in der Metro Station, wo sie mir gratulierten. Und erst da viel mir wieder auf, dass heute ja mein Geburtstag war. Und als Geburtstagsgeschenk erfüllte ich mir einen ganz besonderen Traum: ein Foto mit dem Hollywood Sign. Zusammen fuhren wir mit dem LADOT Shuttle für unter 1$ zum Griffith Observatory, das als einer der besten Aussichtspunkte gilt. Und wir wurden nicht in enttäuscht. Vom Parkplatz aus hatten wir einen perfekten Blick auf das Hollywood Sign und nachdem die erste Euphorie des Fotomachens verflogen war, begriff ich, dass dort wirklich das Zeichen vor mir lag, von dem ich Jahre lang geträumt hatte.

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Aber uns bot sich nicht nur eine tolle Sicht auf das Hollywood Sign, sondern ließen uns auch vom Observatory selbst beeindrucken. Schon die Fassade ist faszinierend und während des Rundgangs hat man einen tollen Blick auf Downtown Los Angeles. Zudem zahlt man für die normalen Ausstellungen keinen Eintritt und an dem ohnehin heißen Sommertag bot es uns auch Zuflucht vor der Hitze.

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Universal City

Nach einer kleinen Stärkung im Café des Observatoriums machten wir uns mit der Metro und einem weiteren kostenlosen Shuttle auf nach Universal City. Dort bestaunten wir den berühmten Globus der Universal Studios und konnten auch einen Blick auf das Geschehen im Vergnügungpark erhaschen.

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Da wir zu wenig Zeit hatten, um selbst in den Park zu gehen, begnügten wir uns stattdessen mit einem Bummel durch Universal City, einer bunten Shopping- und Entertainmentmeile direkt neben den Studios. Dort wimmelt es nur so vor farbenfrohen und ausgefallenen Häuserfassaden, die von innen mindestens genau so schrill sind. Auf dem Rückweg machten wir noch einen kurzen Stopp auf dem Walk of Fame und verabschiedeten uns dann voneinander, was ein wirklich komisches Gefühl war, obwohl wir uns doch eigentlich erst seit so kurzer Zeit kannten.

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Beverly Hills & Walk of Fame

Am nächsten Morgen machte ich mich dann alleine auf Erkundungstour und nutzte dafür die Hop On Hop Off Starline Bus Tour. Für Touristen, die ohne Auto unterwegs sind, ist dies mit Abstand die beste (wenn nicht sogar die einzige) Möglichkeit, die Stadt zu erkunden. Es werden 4-5 verschiedene Routen angeboten, aber ich beschränkte mich auf die populäre rote Route. Vom Walk of Fame ging es dann nach Westen in Richtung Beverly Hills, wo ich die Gelegenheit nutzte und ausstieg, um die Gegend selbst zu entdecken. Im Gegensatz zu anderen Stops der Route hatte ich hier keine Bedenken, alleine durch die Straßen zu laufen. Die Gegend ist wesentlich touristischer und vor allem wohlhabender als die anderen Stadtteile, was man auf der Stadtrundfahrt auch sehr deutlich erkennen kann. Durch den Beverly Gardens Park mit dem bekannten Schriftzug folgte ich einigen Touristen, um zum zur bekanntesten Einkaufsstraße der Welt zu gelangen.

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Und nach nur einigen Minuten erreichte ich den Rodeo Drive, auf dem sowohl Touristen als auch die High Society flanierten, mit dem kleinen Unterschied, dass die Augen der Touristen wesentlich ungläubiger und beeindruckter in die Schaufenster starrten.

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Als zweiten Stopp hatte ich eigentlich die Paramont Studios vorgesehen, aber als ich an der Haltestelle ausstieg, war ich noch zwei bis drei Blocks von ihnen entfernt und fand mich in einer weniger attraktiven Gegend wieder. Nach einem Block entschied ich mich deshalb zum Umkehren, weil ich mich als Frau dort nicht wohl oder sicher fühlte. Ich wartete also 20 Minuten auf den nächsten Bus und war wirklich erleichtert, als ich mich wieder auf dem Weg zum Walk of Fame befand. Und dort sah ich mich erstmal im berühmten 2001 erbauten Dolby Theatre um.

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Ich war beeindruckt von dem hohen Gebäude und als ich es betrat, viel mein Blick direkt auf die breite Treppe, die vor mir lag. Auch wenn sie eigentlich ja nur eine Treppe war, so überkam mich ein Gefühl des Glamours, als ich mir vor Augen führte, dass genau diese Treppe Jahr für Jahr von den ganz großen Stars des Filmbusiness bestiegen wird. Nachdem ich die Treppe einmal hoch und wieder herunter gestiegen war, bemerkte ich dann die Säulen, die den Weg zur Treppe säumten. An jeder von ihnen war ein Zeitstrahl montiert, beginnend mit dem besten Film des Jahres 1929 bis hin zum Gewinner „Birdman“ von 2014. Im Vorbeilaufen tauchte ich also ein in die gloreiche Filmgeschichte Hollywoods zu kam schließlich an den zukünftigen Jahren an. Bis 2071 ist also jedem FIlm des Jahres sein ganz bestimmter Platz in der Historie sicher. Mal sehen, wo dann der Film des Jahres 2072 seinen Platz finden wird.

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Nachdem ich mich gründlich im Eingangsbereich des Dolby Theatres umgesehen hatte, konnte ich es dann nicht mehr erwarten und fand mich auf dem weltberühmten Walk of Fame wieder. Ich lief den mit Sternen gepflasterten Bürgersteig auf und ab und lief dabei immer wieder anderen Touristen in die Arme, die ihre Blicke wie ich auf den Boden vor ihnen gerichtet hatten. Mit einem entschuldigen Lächeln war die Sache bei einem Zusammenstoß dann aber wieder geklärt. Ich versuchte gar nicht erst, den kompletten Walk of Fame zu erkunden, denn 2 563 Sterne brauchen eine ganze Menge Platz. Ich begnügte mich also mit einigen Minuten Fußmarsch in beide Richtungen und traf auf die großen Berühmtheiten wie Mickey Mouse, Martin Scorsese, Alfred Hitchcock und Walt Disney.

catsbbNatürlich sah ich mir auch das TCL Chinese Theatre an, das direkt am Walk of Fame liegt und vor dem die berühmten Hand- und Schuhabdrücke dr Stars zu finden sind. Jede Betonplatte bot eine weitere Berühmtheit, in deren Fußstapfen man einmal treten konnte. Logisch, dass man vor einigen Platten mal ein paar Minuten warten musste, um Meryl Streep, Samuel L. Jackson oder Donald Duck auf dem Beton nahe zu kommen. Besonders die größeren Platten, die die Stars der Harry Potter- oder Twilight-Saga vereinigten, waren von einer Menschenmenge umgeben. Aber bei all den „greifbaren“ Stars war meine Euphorie so groß, dass mir das lange Warten nichts ausmachte. Es gab einfach überall etwas zu entdecken und ich war so glücklich, wirklich an diesem weltberühmten Ort zu sein, das absolut nichts meine Stimmung trüben konnte.

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Naja, ich war schon etwas traurig, als ich am nächsten Morgen vom Shuttleservice zum LAX gebracht wurde und einen letzten Blick auf die Stadt werfen konnte. Los Angeles ist eine Stadt des Glamours und des Entertainments, aber genauso ist es auch eine Stadt, die Armut und viele düstere Ecken beklagt. Die Tourismusbranche versucht, sich dabei von den Problemen abzuschotten, doch so ganz gelingt das nicht. Obwohl ich vorher schon viel über L.A. gelesen hatte und keinesfalls mit einer naiven Erwartung angereist war, hatte ich durch den Trip ein realistischeres und noch kritischeres Bild über die Stadt gewonnen. Aber ich hatte mir auch meinen Traum erfüllt und mit diesem Wissen und all den Eindrücken, die ich in zwei Monaten Kalifornien gewonnen hatte, stieg ich ins Flugzeug und freute mich riesig auf Zuhause.

Vielen Dank an Lena & Nadine, für einen tollen Tag in der Stadt der Engel!


Ein paar Tipps für alle, die jetzt Lust haben, nach Los Angeles zu reisen:

– Hotel in der Nähe der Metro Red Line buchen
– Stadtrundfahrten nutzen, um in der Stadt herumzukommen
– mit dem LADOT zum Griffith Observatory fahren und dort einen Vormittag verbringen
– Besonders als Frau können einige Gegenden, darunter auch Downtown L.A., abends
  unheimlich sein; in anderen Gegenden fühlte ich mich sogar tagsüber unwohl. Deshalb
  wird oft dazu geraten sich lieber in den touristischen Teilen der Stadt aufzuhalten.
– Für Santa Monica & Venice Beach lieber einen ganzen Tag einplanen, da es weit vom
  Zentrum entfernt ist.


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