Liebes Hamburg,

die drei Monate, die ich in dir gelebt habe, gehören zu den besten und aufschlussreichsten Monaten, die ich je erlebt habe. Du bist mir ans Herz gewachsen und hast dich in unheimlich kurzer Zeit von einer coolen Großstadt in mein Zuhause verwandelt. Bei dir ankommen war aufregend und erfrischend, dich wieder zu verlassen hat mir fast das Herz zerrissen.

Als ich am Abend des 29. Novembers an deinem Hauptbahnhof ankam, war es schon längst dunkel und ich konnte es nicht erwarten, mein neues Zuhause auf Zeit zu sehen. Also beeilte ich mich, um ein Taxi zu bekommen. Hätte ich damals gewusst, dass meine WG nur zehn Fußminuten vom Taxistand entfernt war, hätte ich das wahrscheinlich gelassen.

Nach fünf Minuten im Taxi (und ja, das war die wahrscheinlich kürzeste Taxifahrt, die ich je hatte) lernte ich meine neuen Mitbewohnerinnen Hanna und Betti kennen. Dank ihrem herzlichen Willkommen habe ich mich in meinem neuen Zuhause im Handumdrehen wohlgefühlt. Und ihre freundliche Art machte sogar die verstörende Begegnung mit dem Hausmeister wett, der keine fünf Minuten nach meiner Ankunft an der Tür stand.  Ich machte also sofort die Bekanntschaft mit einem super komischen Typ und einem Problem in der Wohnung, das der Grund für viele schlaflose Nächte sein würde. Aber zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass uns die Heizungen mit ihren furchtbaren Geräuschen nachts wachhalten würden und der Hausmeister gar kein Hausmeister war.

Das warme Gefühl, das ich hatte als ich meine Mitbewohnerinnen traf, kehrte an meinem ersten direkt Arbeitstag wieder. Vom ersten Moment an fühlte ich mich gut aufgenommen und als einen vollwertigen Teil des Teams akzeptiert. Ich war überrascht von der offenen und freundlichen Atmosphäre and so wurde mein Arbeitsplatz zu einem Ort, an dem ich so viele neue Dinge lernen durfte und an dem ich Fähigkeiten entwickelte, die mich noch immer begleiten.


Vor allen Dingen, bist du mir als Stadt ans Herz gewachsen und hast es mit deinem Charme im Sturm erobert. Und dafür möchte ich dir danke sagen, Hamburg!

Danke für die tolle Nachbarschaft, in der ich leben durfte. St. Georg war der wahrscheinlich beste Ort, den ich mein Zuhause hätte nennen können. Mit diesem tollen Supermarkt, der extrem teuer aber auch extrem gut sortiert und ansprechend war.  Nicht zu vergessen die Ärzte in St. Georg, die ich leider viel öfter zu Gesicht bekam, als ich es gewollt hätte.

Danke für all die einzigartigen Stadtviertel, die Speicherstadt, Altona und deinen geschäftigen Place-to-be, der Sternschanze. Danke für deine Vielfalt und dafür, dass du mir das Gefühl gegeben hast, in einer überschaubaren Stadt zu wohnen anstatt in einer Stadt mit über 1,8 Millionen Einwohnern.

Danke für meine Mitbewohnerinnen Hanna, Betti und Ann Sophie, mit denen ich die besten Gespräche und unfassbar lustige Momente hatte. Danke, dass du mich Fremden vorgestellt hast, die in so kurzer Zeit zu Freunden wurden.  Ich möchte mich auch bei den drei Mädels dafür bedanken, dass sie so sind wie sie sind und dafür dafür dass sie den Gangster und den Justin Bieber Fan in mir akzeptiert haben.

Danke für mein Praktikum, die tolle Zeit, die ich mit den Kollegen hatte und die Dinge, die ich von ihnen lernen durfte.  Mit ihnen zu arbeiten war eine Bereicherung, die mich für die Zukunft geprägt hat.

Danke, dass ich Kumpir kennenlernen durfte, eines der besten Gerichte, die ich je probiert habe.

Danke für deine wunderbaren Flohmärkte, die besser waren als alle, auf denen ich je gewesen bin.

Danke für die Heizungen, die uns mit ihren nächtlichen und nie endenden Geräuschen den letzten Nerv geraubt haben. Sie haben mir gezeigt, dass ich weit über das hinausgehen kann, was ich immer für mein Limit der Leistungsfähigkeit gehalten habe.

Danke für die Morgen, an denen ich aufgewacht bin und realisiert habe, dass eine Menge Leute in der Wohnung waren, die ich noch nie zuvor gesehen habe. Man könnte das eine interessante Erfahrung nennen.

Danke für einige der besten Tage, die ich mit meinem Freund je hatte, als er mich besucht hat. Wir hatten so viel Spaß, als wir zusammen die Stadt entdeckt haben.

Danke, dass du mir den Mut gegeben hast, meinen Nachbarn zu sagen, dass sie die Musik leiser stellen sollen, während ich zerzauste Haare hatte und einen Gryffindor-Bademantel trug.

Danke, dass du meine Persönlichkeit so verändert hast.

Danke, dass du mir gezeigt hast, dass ich eine Frau in ihren 20ern sein kann, die von ihren Altersgenossen akzeptiert wird, obwohl sie nicht feiern geht und am Wochenende viel lieber Serien in ihrem Zimmer schaut – alleine.

Danke, dass du mein Zuhause geworden bist. Ich kann es nicht erwarten, zu dir zurück zu kommen. Irgendwie weiß ich, dass es so sein wird als hätte ich dich nie verlassen.


Hamburg, ich vermisse dich. Und bald sehen wir uns sicher wieder, auch wenn es nicht so sein wird wie damals. Trotzdem wirst du immer mein Zuhause sein. ♥


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